Monatelange Arbeit wird innert weniger Tage zunichte gemacht

Ich, Patrica Büsser vom Feiern & Tagen Team, bin voller Enthusiasmus in das Jahr 2020 gestartet. Es sollte «das beste Jahr ever» werden. Geschäftlich wie auch privat habe ich mir für dieses Jahr viel vorgenommen. Der Buchungsstand im Geschäft versprach vieles und wir waren guten Mutes, diesen Meilenstein zu erreichen. So viel Energie und Zeit wurden in diese verschiedenen Anlässe im letzten Jahr aufgewendet. Im Frühjahr 2020 sollte dann endlich die Ernte gepflückt werden. Und dann kam da dieser Freitag der 13.

Vermittlerin der Hiobsbotschaft
Es hat mich schon sehr betrübt, als bereits anfangs März aufgrund des Coronavirus ein Anlass nach dem anderen von den Kunden abgesagt wurde. Zu dieser Zeit verstand ich die Hysterie noch nicht so ganz. Noch schlimmer wurde es, als wir unsere Kunden anrufen mussten, um mitzuteilen, dass der Gurten bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Die verschiedenen Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Seminare, usw. können nicht stattfinden. Ein Fest abzusagen, hört sich kaum so dramatisch an, wie es sich in Realität wirklich anfühlt. Man muss sich vorstellen, ein verliebtes Paar, dass bereits über ein Jahr im Voraus eine Hochzeit bis ins Detail geplant und dafür gespart hat. Personen, welche ihre Hochzeitskarten versendet haben und sich auf einen besonderen Tag im Jahr gefreut haben. Eine Braut, die ihren Kindertraum in weiss leben wollte. Ein Vater, der eine Rede vorbereitet hat, usw. Nun müssen wir alles wieder absagen. Obwohl die Gäste es bereits in den Medien gehört haben, sind wir nun diejenigen, die diese Nachricht überbringen müssen. Dies tut sehr weh, zumal diese Schicksale einem selbst nahe gehen und andererseits die ganze aufwendige Vorarbeit für nichts war. Aber wir sind damit nicht allein und jammern bringt da auch nicht viel.

Nach der Enttäuschung kam die Dankbarkeit. Es könnte noch viel schlimmer sein und ich denke dabei an all die Selbstständigen. Ich oder besser gesagt wir, sind froh bei einer so starken Mutterunternehmung, der Migros Aare arbeiten zu dürfen und stellen uns den neuen Herausforderungen.
Nun darf ich von zu Hause arbeiten. Eine komplett neue Erfahrung für mich. Einerseits finde ich es sehr schön, da ich nicht mehr so früh aufstehen muss und mir die Zeit komplett frei einteilen kann. Andererseits fehlt mir der Austausch mit meinen «Gspändli» sehr und ich lasse mich zu Hause von allen möglichen Sachen ablenken; in der einen Ecke könnte noch etwas geputzt werden, im Kühlschrank liegen ganz viele Sachen zum Naschen, auf dem Balkon scheint so schön die Sonne und die Post könnte ja auch noch schnell geholt werden.

Des einen Freud ist des anderen Leid
Mein Freund Lubo, Sous Chef im Restaurant Gurtners, kann seiner Arbeit auch nicht mehr nachgehen. Wir arbeiten im gleichen Betrieb, sehen uns trotzdem nicht oft. Als Koch sind die Arbeitszeiten komplett anders als meine 08.00 - 17.00 Uhr Bürozeiten. Normalerweise arbeiten wir aneinander vorbei und sehen uns in der Mittagspause oder beim Kaffee holen. Nun konnten wir die erste Woche zusammen im Homeoffice arbeiten. Das bedeutet er kocht alles, sei es Frühstück, z’Nüni, z’Mittag, z’Vieri oder z’Nacht. Lubo nutzte jede Gelegenheit, um etwas Feines zuzubereiten. Insbesondere jetzt, wo er nicht mehr auf dem Beruf arbeiten kann. So gab es unter anderem schon ein feines Rührei, Risotto mit Pilzen, frisch gepresster Orangensaft, Thai-Curry oder einen frisch gebackenen Kuchen, um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn wir alles aufgegessen haben, wird ihm schnell langweilig und er will etwas zu tun haben. Dabei ist er auf die glorreiche Idee gekommen, auf meinem improvisierten Arbeitsplatz noch seine Nähmaschine zu platzieren, um eigene Schutzmasken zu nähen. Nach drei Stück musste Lubo aber aufgeben, da alle Nadeln bereits gebrochen waren. Er ist ein talentierter Koch, das mit dem Nähen hat er jedoch weniger im Griff.
Jetzt hat er glücklicherweise wieder einen richtigen Job und näht keine Schutzmasken mehr neben mir. Im Migros Zollikofen schaut Lubo, dass die Regale aufgefüllt sind, die Filiale sauber bleibt und sich nicht zu viele Kunden gleichzeitig im Laden aufhalten. Den neuen Rhythmus haben wir beinahe schon intus. Wir stehen zusammen auf, ich setze mich an den Büro- bzw. Esstisch, während er frühmorgens nach Zollikofen fährt. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue Situation gewöhnen kann.

Es wird zum Glück weitergehen auf dem Gurten. Doch die Coronakrise wird, wie vielerorts, ihre eigenen Spuren hinterlassen. Wir werden alle unsere Lehren daraus ziehen und diese hoffentlich nicht vergessen. Ich hoffe sehr, dass der Teamgeist und der Zusammenhalt auch nach der Krise so stark wie jetzt bestehen bleibt, sei es auf dem Gurten oder aber auf der ganzen Welt, und nicht gemeinsam mit Covid-19 bald wieder etwas in den Hintergrund rückt. 

16.04.2020, Patricia Büsser, Eventmanagerin & Lubomir Moravek, Sous Chef Restaurant Gurtners