Vom Steakhouse-Chef zum Gemüsejunkie

#experimentvegan | Bericht I

Es regnet draussen, winterlich unappetitliches Wetter an einem Februar-Sonntag. Mich stört es jedoch gerade sonderlich wenig, denn ich bin voll in meinem Element. In Jogginghosen stehe ich in der Küche und bereite mir vegane Tofu-Dumplings zu. Wer hätte das gedacht, dass ich einmal temporär vegan leben werde - war ich doch vor rund 5 Jahren Geschäftsführer im The BEEF Steakhouse & Bar und habe mich von früh bis spät mit Fleisch beschäftigt. Doch nun bin ich mittendrin und das #experimentvegan dauert noch 27 weitere Tage.

Wie ist es überhaupt so weit gekommen und was will ich damit bezwecken? Um das zu erklären müssen wir das Zeitrad nochmals ein dreiviertel Jahr zurückdrehen. Damals haben wir auf dem Gurten – Park im Grünen entschieden, den bisherigen Spätaufsteher-Brunch, welcher kein wirkliches Profil hatte, zu einem gesunden, vegetarischen Brunch umzugestalten. Seit Oktober 2019 bieten wir nun wöchentlich einen fleischlosen Brunch an, der auch viele vegane Komponenten enthält. Im Zuge dieser Neupositionierung haben wir das Thema "Veganismus" oft und lange in der Geschäftsleitung diskutiert. Bei unseren Diskussionen ist ebenfalls hervorgekommen, dass auch bei Banketten und Events die Nachfrage nach veganen Menüs in den letzten Jahren gestiegen ist. Uns wurde bewusst, dass wir uns diesem Thema auf jeden Fall annehmen müssen, um auch zukünftig die verschiedenen Gästebedürfnisse bestmöglich erfüllen zu können.

Bei der nachfolgenden Entwicklung des neuen Brunchkonzeptes wurde uns bewusst, dass wir als "Carnivoren" eigentlich viel zu wenig über den veganen Lebensstil wissen. Somit haben wir den Entschluss gefasst, uns im Februar einen Monat lang strikt vegan zu ernähren. Ziel ist es, die vegane Ernährung besser zu verstehen und somit auch Rückschlüsse für unsere aktuellen und zukünftige Gastrokonzepte zu ziehen. Ehrlich gesagt war mir am Anfang ein bisschen mulmig. Temporär auf Fleisch verzichten, das passt für mich schon. Aber vegan leben, heisst eben noch viel mehr. Somit gibt’s momentan leider auch keinen Käse mehr. Joghurts für zwischendurch "nä-ä". Zopf mit "Anke" und Honig am Sonntag, dazu ein Spiegelei, vergiss es. Für mich als Genussmensch war die Hürde somit ziemlich hoch. Trotz all dieser Einschränkungen hat mich dann der "Gwunder" gepackt und ich habe dem #experimentvegan zugesagt.

Nun sind die ersten beiden Tage vorüber und – Gott sei Dank – ich lebe noch. Zugegeben, der erste Einkauf rein veganer Produkte dauerte länger als eigentlich geplant. Das sorglose "durch die Regale schlendern" verkam zu einem "ich lese doch noch kurz die Verpackung durch". Schlussendlich konnte ich jedoch alle gewünschten Produkte finden und mein Kühlschrank ist nun voller Gemüse, Reismilch, Tofu und Konsorten. Mein erstes Fazit: Nach den ersten beiden Tagen und den verschiedenen gegessenen veganen Gerichten muss ich sagen, dass diese auch fleischlos sehr gut geschmeckt haben.

Trotz der positiven kulinarischen Eindrücke sind mir ein paar Fragen durch den Kopf. Wird mein Körper durch die neue Ernährungsform einen Unterschied spüren? Wie reagiert mein soziales Umfeld auf das Experiment? In welchen Lebensbereichen bereitet mir die Nahrungsumstellung Mühe? Ich bin nun gespannt wie es die nächsten Tage weitergeht und ob ich irgendwann mal einen Koller kriege und mir Käse & Wurst sehnlichst zurückwünsche. Stay tuned!

02.02.2020, Martin Geiger, Leiter Marketing & Sales

Martin Geiger, Leiter Marketing & Sales