Es war irgendwie surreal

So still, so ruhig und friedlich. Keine eingestürzten Häuser, keine Rauchwolke über Bern, keine Sirenen und Blaulichter in der Stadt und trotzdem ist alles zu und menschenleer.

Wir haben auf dem Gurten die Situation lang weniger krass eingeschätzt. Natürlich haben wir alle die Nachrichten verfolgt und waren informiert was in China passiert. Doch niemals haben wir erwartet, dass dies uns einmal so treffen wird. Nach der ersten Verordnung mussten wir fast täglich unsere Planung anpassen: Tische auseinanderziehen, Reservierungen absagen, Personal einteilen, etc. Die Schliessung kann daher schlussendlich nicht ganz als unerwartet bezeichnet werden. Im Kopf ist das Grounding absolut nachvollziehbar und richtig. Mein Bauch tat sich da schwerer. Heute sind wir froh für die umfassende und weitsichtige Handlung durch den Bundesrat.

Gurten – Park im Grünen bleibt bestehen
Nach Corona wird vieles anders sein als vorher. Ich erwarte, dass die Individualgäste rasch wieder den Weg auf den Gurten finden. Ob es dann gleich ein fulminanter Start mit Vollgas überall gibt, oder der Betrieb nur nach und nach wieder freigegeben wird, können wir nur vermuten. Es ist unser Ziel, den Gurten rasch in alter Frische unseren Gästen zu präsentieren.

Die entstandene Umsatzlücke können wir nicht füllen. Finanziell wird ein Loch bleiben, wie gross das wird, hängt wesentlich von den «Restart»-Bedingungen ab, doch wir können mit Sicherheit sagen, dass es den Gurten auch nach Corona geben wird. Die Finanzen bereiten mir gleich viel Sorgen wie all die Gäste, die ihr Fest auf dem Gurten geplant haben und nun absagen mussten. Die Enttäuschungen sind teilweise riesig und passende Lösungen nicht einfach zu finden. Auch für unsere Mitarbeitenden ist die Ungewissheit sehr belastbar. Auf jeden Fall geht es heute darum zu schauen, dass wir mit unseren Ressourcen vom Gurten unsere Kollegen im Supermarkt optimal unterstützen können. Fast das ganze Gurten-Team hilft nun in den Migros-Filialen aus. Ich selbst bin im Krisenstab der Migros Aare tätig. Wir treffen uns täglich um 09.00 Uhr physisch im Stab (natürlich unter strenger Einhaltung von Social Distancing). Um 13.30 Uhr findet die Konferenz virtuell mit allen betroffenen ca. 25 Playern statt. Darunter sind nebst dem Krisenstabsleiter, Marktanalisten, Kommunikationsexperten, etc. Hier geben wir meist eher Empfehlungen wie Sortimentseinschränkung, Personaleinteilung, Schutzmassnahmen, etc. als Entscheide an die Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Aare.

«e chli langsamer, dafür qualitativ besser»
Ich glaube, dass wir im Krisenmodus vieles lernen, was auch in Zukunft Gültigkeit haben wird. Ein wenig mehr Distanz, Wertschätzung der gemeinsamen Erlebnisse, Sitzungen nur dann, wenn sich das Thema nicht virtuell besprechen lässt. In dieser kurzen Zeit habe ich einige Alternativen zur traditionellen Sitzung kennengelernt. Fast täglich erhalte ich einen Link zu einem neuen virtuellen Tool. Zoom, Jitsi, Videokonferenz MMS, MS-Teams, Skype um nur einige zu nennen. Als älterer Herr überfordert mich diese Vielfalt ab und zu und ich wünsche mir manchmal das gute alte Wählscheibentelefon zurück. Da war besetzt noch besetzt ohne Multitasking und vibrierende, sirrende, klingelnde Geräte überall und gleichzeitig…

Generell alles «e chli langsamer, dafür qualitativ besser». Das alles sind Entwicklungen, welche perfekt zum Gurten - Park im Grünen passen. Wir müssen jetzt verstehen, wie wir diese Chance nutzen können. Ich bin überzeugt, dass es mit dem Topteam auf dem Traumberg gelingen wird, die richtigen Angebote zu entwickeln und hoffentlich schon bald zu kommunizieren. Bis es soweit ist, wünsche ich allen in der Corona-Krise nicht nur die Gefahr zu sehen, sondern auch eine Chance. Privat habe ich momentan wieder mehr Zeit, um eigene Spirituosen zu brennen, räume endlich auf und am Wochenende arbeiten wir in unserer neuen Wohnung in Bümpliz, welche wir am 1. August beziehen möchten. Ob der Umzug termingemäss stattfinden kann, ist momentan fraglich, da der Umbau evtl. coronatechnisch ins Stocken gerät. Auf Wiedersehen auf dem Gurten & bleiben Sie gesund!

02.04.2020, Hans Traffelet, Geschäftsführer aka Hüttenwart