Jobs, Rollen und Titel sind vergänglich

Geschehnisse an der Front
Liebe LeserInnen, ist euch aufgefallen, dass die Zeit, die wir durchleben, vergleichbar mit Weihnachten ist? Man nimmt sich endlich wieder Zeit für die scheinbar kleinen Dinge, welche man seit Jahren vernachlässigt hat. Mein Schwiegerpapa, bereits seit Jahren pensioniert, kommt nun endlich seinen Interessen nach. So erfahre ich im wöchentlichen Update über die Wald-Geschehnisse, Kräuterkunde und deren Heilmethoden. Die Familien verbringen mehr Zeit miteinander. Eine Kundin hat mir erzählt, dass es für Sie ein Highlight sei, einkaufen zu gehen, da sie bei der Eingangskontrolle herzlich begrüsst und als Mensch wahrgenommen werde. Nach solchen Erzählungen wird mir wieder bewusst, dass eine herzliche Begrüssung wirklich Spuren hinterlässt. Es ist eine Gelassenheit in der Luft, welche ich normalerweise bei meinem alten Job als Masseur nach einer Behandlung wahrgenommen habe.

Miteinander, füreinander und herunterfahren
Früher war ich fast jeden Abend ausgebucht, sei dies mit Fussballtrainings als Spieler, Trainer und als Schiedsrichter oder habe sonst mit meinen Liebsten abgemacht. Ich widmete mein Leben lange Zeit dem Sport, daher kenne ich meinen Körper und meine Grenzen sehr gut. Als ich mich dann entschieden habe, Masseur zu werden, habe ich verstärkter auf meine innere Balance geachtet. Dies war die beste Entscheidung. Bald darauf kam mein Sohn Noah zur Welt. Zeit mit der Familie zu verbringen, ist so wertvoll, man sollte jeden Moment bewusst geniessen. Jobs, Rollen und Titel sind vergänglich. Das Einzige was zählt, sind die Erinnerungen, Begegnungen und Erfahrungen, die du mit Anderen teilst. Es hört sich philosophisch an, aber es ist eine Tatsache: diese Familienzeit ist wertvoller als jedes Geld. Ich wünschte mir, dass jeder nur Maximum 80 % arbeiten müsste, damit man sich den wichtigen Dingen im Leben widmen könnte.

Zurzeit arbeite ich in der Migros Worb als Eingangskontrolleur, Liftboy oder Rayonauffüller. Ich treffe immer wieder bekannte Gesichter zwischen den Regalen in der Migros an. Die früheren Wellness-, Fitness-, Gastro- und Freizeitkollegen sieht man nun auch bei den neuen Aufgaben. Sie werden wie ich dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden. Die Tage sind oft länger als bei meinem üblichen Job als Spielparkleiter. Ob es mir was ausmacht? Nein, ich weiss, dass es nicht für immer ist und ich meinen Arbeitgeber unterstützen kann. Meine Frau und ich sind ein eingespieltes Team. An meinen freien Tagen unterstütze ich meine Frau, wo es mich braucht, sei dies beim Hüten, Waschen oder bei der Gartenarbeit. Auch nehmen wir uns bewusst Zeit für das gemeinsame Familienleben. Ich spiele sehr gerne mit meinem Kleinen und der Holzeisenbahn. Dabei denke ich oft an meine Gurten-Crew und die fröhlichen Kinder. Diese sind natürlich ganz traurig, dass zurzeit die Kleineisenbahn auf dem Gurten nicht ihre Runde dreht. Wir sitzen alle im gleichen Boot, denn fast niemand kann seinen Hobbies wie gewohnt nachgehen. Dennoch, die Menschen sind entspannter, da sie keinen Zeitdruck haben. Viele gehen einer anderen Leidenschaft nach und werden dies auch nach der Krise machen - so wünsche ich es zumindest allen.

Oh du heilige
Ich wünsche mir, dass der positive Effekt nicht wie die Weihnachtsdeko nach Weihnachten abrupt verschwindet, sondern lange innehält. Aber, liebe LeserInnen, was erzähle ich euch schon. Ihr müsst selbst die Erfahrung machen mit welchen Tempo ihr durchs Leben gehen wollt. Egal wie, ich wünsche euch nur das Beste.

05.05.2020, Behzad Dabiri, Leiter Spielpark