Daniela, draussen vor der Türe liegt Laub, hast du wieder nicht aufgegessen?

Mittlerweile kenne ich sie alle, denn solche Witze durfte ich mir bereits letztes Jahr zu Genüge anhören, als ich mich das erste Mal einen Monat lang von tierfreien Produkten ernährte.

Warum lebe ich nun bereits zum zweiten Mal für eine längere Zeit vegan? Zum einen aus purer Neugier und weil ich Meinungsbildung durch persönliche Erfahrungen bei weitem bevorzuge als durch Hörensagen. Zum anderen interessieren mich als Gastronomin mit einer Kochausbildung verschiedene Ernährungsformen, Trends und Diäten sehr. Vier Wochen glutenfrei, sechs Wochen ohne Kristallzucker, Rohkostdiät, Saftkur – alles bereits getestet. Zugegeben, die Rohkostdiät habe ich nach wenigen Tagen abgebrochen, zu stark waren die nächtlichen Magenbeschwerden auf Grund der ungewohnt vielen Gemüsestäbchen. Insgesamt aber waren die Erfahrungen, welche ich durch diese Experimente sammeln konnte, immer sehr positiv, so auch der vegane Monat im 2019. Rückblickend war dieser wegweisend für einige Ernährungsumstellungen, welche ich bis heute beibehalten habe. So hat mein aktueller Umgang mit der Nahrungsaufnahme nicht primär einen ethnischen oder ökologischen Aspekt, sondern weil ich gemerkt habe, dass es mir körperlich besser geht mit geringerem Konsum von tierischen Produkten.

Müsste ich mich heute in eine Ernährungsschublade quetschen, dann würde ich mich nicht mehr als "Carnivor" bezeichnen, sondern vielmehr als "Flexitarier". So habe ich Kuhmilch von meinem Speiseplan verbannt und ins Müesli kommt mittlerweile Reis- oder Hafermilch, den Fleischkonsum habe ich drastisch reduziert und dafür die pflanzlichen Proteinquellen hochgefahren. Anstelle der klassischen Spaghetti Bolognese gibt es bei mir nun zwischendurch die vegane Alternative mit roten Linsen.

Als wir uns letztes Jahr in der Geschäftsleitung des Gurten – Park im Grünen bei einem "nicht veganen" Apéro dazu entschlossen haben, das #experimentvegan definitiv zu starten, um unsere mangelnden Kenntnisse in diesem Bereich zu steigern und somit unsere Gastronomiekompetenz auf Vordermann zu bringen, war ich hellbegeistert. Was hat sich seit meinem ersten veganen Versuch im 2019 verändert? Mir scheint die Akzeptanz im Umfeld höher als noch vor wenigen Monaten. Die Sprüche halten sich in Grenzen und das Interesse meiner Mitmenschen ist gestiegen. Das Einkaufen fällt um einiges leichter als noch zuvor, das vegane Sortiment bei den Detailhändlern hat sich vervielfacht und mittlerweile sind die Produkte so deklariert, dass man keinen Doktortitel benötigt, um zu verstehen, ob diese frei von tierischen Produkten sind oder nicht.

Liegt es an der verstärkten medialen Präsenz, welche das Thema Veganismus zurzeit geniesst, ist die Gesellschaft offener geworden oder sind wir uns mittlerweile einfach gewohnt, dass wir uns über Essgewohnheiten definieren? Solche Fragen gehen mir aktuell durch den Kopf. Zudem frage ich mich auch, ob es für mich eine Option wäre, die tierischen Produkte ganz aus meinem Leben zu streichen und wie ich dies mit meinem Beruf als Gastronomin in Einklang bringen würde. Antworten auf alle diese Fragen habe ich noch keine, werde sie aber bestimmt noch finden.

07.02.2020, Daniela Frommenwiler, Leiterin Restauration & Stv. Leiterin F&B

Porträt Daniela Frommenwiler