Für mich hatte die Coronakrise durchaus was Positives

Doch es schien nicht von Anfang an so: Seit meiner Ausbildung zum Hotelfachmann arbeitete ich im Gastgewerbe, seit über zehn Jahren am selben Ort, auf dem Gurten – Park im Grünen. Auf dem Hausberg habe ich schon mehrmals intern die Stelle gewechselt. Dann kam 2020. Wir Gurtenmitarbeitenden wurden aufgrund des Lockdowns und des damit geschlossenen Betriebes in die Migros Supermärkte umdisponiert. Zum ersten Mal habe ich im Detailhandel gearbeitet, habe Regale aufgefüllt, an der Kasse ausgeholfen oder bei den Pick-up-Stationen die Ware eingepackt. Dies in drei verschiedenen Migros-Filialen. Wäre die Coronakrise nicht gewesen, hätte ich den Gurten und somit das Gastgewerbe noch lange nicht verlassen. Denn eigentlich schätze ich die Tätigkeiten als Servicemitarbeitender im Gurtners sehr. Das Team ist toll und wir sind gut auf einander abgestimmt. Gäste zu beraten und sie mit meinen Vorschlägen zu überraschen, gefällt mir an meinem Job besonders gut. Vor einem Jahr, inmitten des ersten Lockdowns, habe ich noch nicht an einen Jobwechsel gedacht. Doch die Situation hat sich geändert. Beruflich wie auch privat. In November habe ich endlich meine Traumfrau in Lima geheiratet, kaum zurück, wurde mir von meinem Vorgesetzten ein Job bei einem Pilotprojekt der Migros empfohlen. Etwas total anderes als bisher.

Früher servierte ich Menüs, heute installiere ich Hardware
Nun installiere- und deinstalliere ich Hardware bei der Migros. Bei meinem alten Beruf als Servicemitarbeitender sah meine Kundschaft glücklich aus, wenn sich daher kam. Wenn ich jetzt mit den neuen Notebooks, Monitoren oder anderer Hardware komme, sind die meisten eingeschüchtert. Einen Systemanpassung bringt auch Veränderung und Aufwand mit sich. Ganz anders, als wenn ich den Hauptgang serviere. Dann schauen mich die Gäste voller Vorfreude an. Doch im Grossen und Ganzen funktioniert der neue Job sehr gut. Nach einem Monat habe ich mich in meiner neuen Arbeit bestens eingefunden und die Abläufe werden mir immer vertrauter. In meiner Tätigkeit auf dem Gurten haben ich sehr oft am Abend und an den Wochenenden gearbeitet. Meine Frau freut sich daher sehr, dass ich aktuell im Homeoffice arbeite und auch zukünftig an den Wochenenden immer zu Hause sein kann.

Trotz Jobwechsel bin ich immer noch oft auf dem Gurten – nun halt privat mit Frau und Kind. Deshalb kann ich sagen, dass die Coronakrise mir persönlich geholfen hat, mich aus alten Mustern zu lösen und etwas Neues zu beginnen.

26.03.2021, Tobias Koch, ehemaliger Servicemitarbeitender Restaurant Gurtners