Lange Zeiten nach den Mitarbeitenden

Noch nie hatten meine Stellvertreterin Daniela Frommenwiler und ich unsere Mitarbeitenden so lange nicht mehr gesehen. Ihr wisst es bestimmt bereits – Coronakrise. Infolgedessen sind unsere Mitarbeitenden momentan nicht mehr auf dem Gurten tätig. Unser Betrieb ist bekannterweise vorübergehend geschlossen und wir hatten die Wahl zwischen Kurzarbeit beantragen oder unsere Kollegen und Kolleginnen im Supermarkt zu unterstützen. Die Wahl war natürlich klar und viel auf zweiteres.
Es war uns ein grosses Anliegen zu erfahren wie es unseren Mitarbeitenden geht. Daher haben wir uns an einem schönen, sonnigen Tag im April getroffen und uns auf eine Mitarbeiter-Besuchstour gewagt. Unser erster Stopp: Migros Köniz. Die Suche nach den verschollenen Mitarbeitenden dauerte gar nicht so lange, denn wir haben die ersten beiden bereits bei der Eingangskontrolle erblickt. Pflichtbewusst kontrollierten sie wie viel Kundinnen und Kunden gerade den Supermarkt betreten oder verlassen. Nach einem kurzen Austausch haben wir unseren Mitarbeitenden selbstverständlich noch eine kleine süsse Überraschung überreicht: Unsere Gurtners Bio-Schokolade aus dem Emmental. Eine kleine Motivationsspritze für das tolle Engagement unserer Mitarbeitenden. Nun begann die Suche erst, aber siehe da, in einem der Rayons erhaschten wir unseren Patissier, welcher tiefgekühlter Bio-Pangasius auffüllte. Ein wenig weiter sahen wir auch gleich unsere Chefin de Service Bankette, welche Raviolibüchsen aufstapelte. Weiter ging es nach Schwarzenburg.

Nach den ersten Schwierigkeiten mit der Parkplatzsuche wurden wir von unserer Bankettaushilfe freundlich hinter einer Plexiglasscheibe empfangen. Zuvorkommend, aber streng wies sie auf die zwei Meter Abstandsregel hin. Nach einer kurzen Suche fanden wir dann auch unsere stellvertretenden Spielparkleiter. Statt die Kleineisenbahn zu bedienen, fährt er momentan mit Volldampf die Paletten hin und her. Und dies jeweils schon morgens um 06.00 Uhr, wie er uns erzählte. Nach einer wunderschönen Fahrt durch die pittoreske und hügelige Landschaft kamen wir bei Dani, unserem Küchenchef Bankett, an. Dani hat uns anfänglich gar nicht bemerkt, so konzentriert füllte er die Vanille-Joghurts auf. Umso mehr hat er sich dann gefreut, als wir ihm beim begrüssen die Schokolade hinstreckten.

Nächste Stopp: Steffisburg. Dort trafen wir auf Thorsten, welcher mit den Früchten und Gemüse hantierte. Nach einem Zwischenruf vom Koch Thorsten hat sich auch Urs hinter seinem Kolonialwarenregal hervorgetraut. Weiter ging es nach Hilterfingen. Es folgte die erste Enttäuschung, denn Jasmin, unsere spitzen Restaurationsfachfrau-Lernende, begann ihren Dienst erst am Nachmittag und wir verpassten sie somit. Nach der Oberlandtour fuhren wir weiter Richtung Emmental. Angekommen, standen wir vor einem weiteren Problem. Wo war Paul? Der Restaurant Gurtnes Koch Paul zaubert heute für seine neue Migros-Gspändli ein Mittagessen hin. Dies war wohl auch ein Zeichen, dass Paul die Arbeit in der Küche auf Berns Hausberg vermisst.

Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Nach Konolfingen ging es weiter nach Langnau. Dort strahlte uns unsere Gurten-Mitarbeiterin am Empfang an. Mit Freuden nahmen wir zu Kenntnis, dass sie sogar ihr gewöhnliches Gurten-Namensschild trug. Branding at its best.
Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass bereits Nachmittag war. So entschieden wir uns, noch für einen letzten Abstecher ins Shoppyland. In Schönbühl angekommen, stellten wir fest, dass unter so vielen fleissigen orangen Mitarbeitenden die Suche nach unseren Mitarbeitenden gar nicht so einfach war. Mit Hilfe des Kundendienstes und einem Ausruf à la «Mami und Papi suchen die verlorenen Gurten-Kinder» bekamen wir unsere Mitarbeitenden dann zu Gesicht. Lucia, unsere Bankettleiterin und Paula, unsere Bankettaushilfe mussten über den Ausruf schmunzeln, waren aber über das süsse Geschenk sehr erfreut. Da wir nun bereits in Schönbühl waren, besuchten wir auch unseren eigentlichen Hüttenwart. Dieser ist zurzeit im Krisenstab der Migros Aare tätig und somit wollten wir auch ihn besuchen und beschenken. So machten wir uns nach einem langen Tag auf den Nachhauseweg und bereiteten uns gedanklich bereits auf den zweiten Teil der «Tour de Migros» vor.

Neuer Tag, neues Glück. So starteten wir den Tag in der Migros Zähringer. Wir trafen dort auf eine lachende Isabelle, die uns beim Eingang mit dem Zählsystem in der Hand begrüsste. Unsere beiden Mitarbeitenden aus dem rückwärtigen Bereich, Amadou und Mousse, waren gerade damit beschäftigt, den M-Classic Mais in das Regal zu versorgen. Nebenbei gaben sie hilfsbereit einer älteren Dame ein Dose Ravioli vom Regal direkt in den Einkaufskorb. Keine 10 Minuten Fahrt, kamen wir im Migros Bremgarten an. Hier war unsere Tapis Rouge Mitarbeitende Conny mit vollem Elan beim Zählen der Gäste. Mit grosser Freude nahm sie die Gurtners-Schokolade entgegen und versicherte uns, dass sie das Tapis Rouge sowie den Gurten schon sehr vermisse.

Heimweh nach dem Gurten
Weiter führte uns Siri über diverse Nebenstrassen, da der nicht ortskundige Luzerner als Navigator etwas am Versagen war, nach Zollikofen. Hier kurvte unser Hilfskoch Andrej mit einer Palette voller Mehl durch die Filiale. Wir nahmen seine Formel 1 Fahrkünste gerne als Vorbild und es zog uns weiter nach Münchenbuchsee. Im Supermarkt angekommen suchten wir Albert, unser Koch im Restaurant Gurtners. Er weilte jedoch gerade in der Pause, die er sich wohl verdient hatte. Vorbei am geschlossenen Freibad fuhren wir Richtung Ittigen, wo wir Timo antrafen. Aufgrund seines neuen (Corona)-Schnauzes haben wir ihn zuerst gar nicht erkannt. Als wir den Rayons entlangliefen, trafen wir auf Halimo, die gerade Schokodrinks nach dem «First in, first out»-Prinzip einräumte. Mit Wehmut erklärte sie uns, dass der Gurten ihr so am Herzen liege und dass sie die tägliche Bahnfahrt auf den Berg sehr vermisse. Im Kassenbereich angekommen fanden wir dann Sonam an, welcher an der Kasse gerade eine Kundin höflich nach der Cumuluskarte fragte.
Weiter gings nach Gümligen. Dort trafen wir auf Gibril, welcher bei unserer Ankunft pflichtbewusst «plus zwei Personen» am Tablet eingab. Nach einem Blick weg vom Tablet bemerkte er, dass wir gar keine normalen Kunden waren, sondern die Gurtencrew auf Besuch. Nach einem schnellen Kaffee aus dem Thermoskrug fuhren wir weiter nach Worb. Da fanden wir Behzad, unser Spielparkleiter, im Blumenparadies. Weiter bei der Eingangskontrolle sahen wir Bea, welche einem älteren Ehepaar den Lift drückten, so dass diese nach ihrem Einkauf auch wieder sicher nach unten kommen würden.

Letzter Stopp des Tages. In Langnau angekommen sahen wir Hervé, unser Leiter Tapis Rouge. Zurück aus den Ferien hiess es auch für ihn Eingangskontrolle und Kundenanzahl erfassen. Das wars für heute. Leider haben wir es nicht geschafft, alle unsere Mitarbeitenden zu besuchen, ist doch das Gebiet der Genossenschaft Migros Aare sehr weitläufig. Nun werden unsere Mitarbeitenden wohl «na dis na» wieder auf den Gurten zurückbeordert. Denn die automatischen Zählsysteme sind nun mittlerweile an den meisten Orten installiert und die Kundenfrequenzen haben sich auch wieder normalisiert. Noch schlummert der Gurten weiter im Dornröschenschlaf, da die Gurtenbahn noch nicht fahren darf. Aber schon bald können wir unsere Restaurants wieder öffnen und alle unsere Mitarbeitenden freuen sich auf diesen Moment. Somit drücken wir uns gegenseitig die Daumen und hoffen, alle unsere Mitarbeitenden schon bald wieder auf dem Gurten sehen zu können.

19.05.2020, Patrick Vogel & Daniela Frommenwiler, Leitungsteam F&B