Der etwas andere Stellenantritt

Im November 2020 habe ich meine neue Stelle als Spielparkleiter angetreten. Nun ja, dazu muss gesagt sein, dass diese Funktion nicht ganz neu für mich ist. Schliesslich war ich bereits zu einem früheren Zeitpunkt 10 Jahre Spielparkleiter auf dem Gurten.
Es war schon seltsam zurückzukommen, als das Restaurant Gurtners bereits vorübergehend geschlossen und alle Brunchs bis auf Weiteres abgesagt wurden. Es sind momentan kaum Arbeitskollegen anzutreffen und auch die vielen Brunchgäste an den Wochenenden, die ich mir von früher gewohnt war, sind wie vom Erdboden verschluckt. Nebst 10 Jahren auf dem Gurten, habe ich auch 17 Jahre bei der Gurtenbahn gearbeitet. Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, dass das Jahr 2020 mit keinem anderen Jahr vergleichbar ist.

Frische Luft für alle
Es freut mich natürlich umso mehr, dass es die Menschen auch in dieser aussergewöhnlichen Zeit zu uns auf den Gurten zieht. Ich stelle fest, dass die Leute momentan allgemein ein grosses Bedürfnis nach frischer Luft und Natur haben. Vielleicht liegt es daran, dass wir aufgrund des Lockdowns im März den Frühling nicht wirklich geniessen konnten. Vielleicht hat es aber auch andere Gründe. Ich stelle jedenfalls fest, dass auch vermehrt Gäste bei nicht so gutem Wetter kommen. Die Leute sind wetterfester geworden, und vor allem Familien mit Kindern scheinen Wind und Nebel nicht davon abzuhalten, einen Ausflug auf den Gurten zu unternehmen. Wir wissen alle wie gut es tut, draussen zu sein, einen kurzen Spaziergang zu machen und ich denke, genau das hat bei der Bevölkerung im aktuellen Jahr wieder an Bedeutung gewonnen.

Der gewohnte Alltag bleibt bestehen
Ich empfinde die Leute momentan als sehr bedacht und rücksichtsvoll. Viele Erwachsene, die beispielsweise mit der Kleineisenbahn mitfahren, tragen freiwillig Masken. Obwohl es während der Fahrt nicht Pflicht ist, trage auch ich eine und habe dabei den Eindruck, dass die Gurten-Besuchenden das sehr schätzen. Mein jetziger Alltag hat sich zu früher nicht viel verändert. Dadurch, dass nach wie vor viele Gäste kommen, gibt es auch einiges zu tun. Wir wollen unseren Park schliesslich in Schwung halten und ihn den Gästen von seiner schönsten Seite präsentieren. Auf der täglichen Tour gibt es einige Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten zu erledigen, um unter anderem für eine schöne Optik des Spielparks zu sorgen. Dies gilt es auch zu tun, wenn das Wetter nicht ganz so schön ist.

Wir schätzen unsere Gesundheit zu wenig
Ich finde es schwierig zu sagen, was ich mir von der Zukunft erhoffe. Ich weiss aber, worauf ich mich freue und inwiefern mich dieses Jahr verändert hat. Das Jahr 2020 hat mich auf jeden Fall sensibilisiert, wie wichtig es ist, auf uns und auch auf ältere Menschen Acht zu geben. Man empfindet gute Gesundheit schnell als selbstverständlich und sollte sich öfter bewusst machen, dass diese ein grosses Geschenk ist.
Obschon ich finde, dass sich die Leute gut und schnell an die neuen Umstände gewohnt haben, freue ich mich darauf, wenn zu gegebener Zeit der normale Alltag wieder einkehrt. Am meisten vermisse ich es, die Kinder ohne die Maske anzulächeln. Obwohl wir auch mit den Augen lächeln können, finde ich es schade, dass sie mein Lächeln nicht als solches erkennen können. Auch das Strahlen der Menschen fehlt mir. Zudem bin ich gespannt, wie lange es dauert, bis man in der Öffentlichkeit nicht mehr schräg angesehen wird, wenn man Husten oder Niesen muss. Eines hat sich für mich allerdings nicht verändert. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich am schönsten Ort in ganz Bern arbeite.

04.12.2020, Jürg Leuthold, Leiter Spielpark