Coronavirus – das schrecklichste Blind Date ever

16. Januar 2020: ich sitze mit einem Kollegen in einem Restaurant inmitten von Bangkok. Wir geniessen Thailands Abendsonne, ein köstliches Phat Thai und ein kühles Singha-Bier. Die Welt ist in Ordnung.

16. März 2020: ich sitze an meinem Bürotisch, habe tausend Gedanken im Kopf, muss bei der Druckerei einen Schnellauftrag auslösen und feile am Text für die Kommunikation der Schliessung. Die Welt steht still.

Zwei ganz unterschiedliche Szenerien, dies innerhalb von nur zwei Monaten. Zwischen Paradies auf Erden und einer bisher nur aus einem Hollywood-Blockbuster gekannter Szene. Irgendwie Wahnsinn. Wer hätte das gedacht, dass wir uns mal mit einer solchen Pandemie und der daraus resultierenden Folgen auseinandersetzen müssen? Ganz ehrlich gesagt: ich niemals. Doch nun sind wir da und unser gewohnter Alltag hat sich relativ schnell geändert. Mich erinnert die momentane Situation an ein schlechtes Blind Date. Kennt ihr die Situation, wenn ihr einer uninteressanten Person gegenübersitzt und denkt, wann sind wir hier fertig? Genau so kommt mir die jetzige Situation vor. Wann sind wir miteinander fertig, Coronavirus? Ich habe kein Interesse an dir und will doch einfach nur vor dir fliehen. Okay vielleicht ist in dieser Metapher ein bisschen viel Theatralik, aber in Krisenzeiten darf dies ja durchaus sein.

Leere Versprechen an den Geschäftsführer
In meinen regelmässig stattfindenden Bilas bespreche ich mit unserem Geschäftsführer unter anderem auch die Sales-Forecasts. Meine Aussage Ende 2019: «Lieber Hans, 2020 wird das beste Jahr ever und wir werden die 10 Millionen Umsatzgrenze erstmals übertreffen. Ich verspreche dir das» Mit voller Optimismus nahmen wir das Jahr dann auch in Angriff. Die Aussichten mit einem bevorstehenden Theater Gurten (und sprich 30 Vorstellungen mit je 500 Gästen), vollen Auftragsbüchern mit zahlreichen Events und getätigten Marketing- und Salesmassnahmen, die sich unseres Erachtens positiv entwickelt haben, starteten wir das Jahr 2020. Unser Optimismus wurde auch bereits im ersten Monat des Jahres bestätigt. So erlebten wir – trotz des nicht vorhandenen Schnees – den besten Januar seit der Eröffnung vor 20 Jahren. Dass sich das Blatt gewendet hat, muss ich euch ja nicht erzählen. Das Coronavirus und die damit verbundene Schliessung des Betriebes beschert uns einen sehr schmerzenden Umsatzeinbruch, welchen wir so bis Ende Jahr nicht mehr korrigieren werden können. Ich fühle mich wie beim Boxen, am Boden liegend mit einem brummenden Schädel. Der Gegner namens Coronavirus hat mir einen klassischen K.O. versetzt.

Nun ja, der Alltag hat sich geändert, ich habe mich mittlerweile ans Homeoffice gewöhnt. Soziale physische Kontakte habe ich mit virtuellen Houseparties ersetzt. Ich schaffe es plötzlich alle Whatsapp-Nachrichten umgehend zu beantworten, ohne jemanden zu vertrösten und mich erst Tage danach zu melden. Ich melde mich bei Kollegen und Bekannten, die manchmal ein bisschen in Vergessenheit geraten. Ich kümmere mich um den Haushalt als wäre ich Mr. Propper himself. Aufräumen macht plötzlich Spass und ich habe herausgefunden, dass man Fenster auch vor dem Wohnungswechsel reinigen kann. Vielerlei Erkenntnisse und Erlebnisse, welche ich in den letzten Wochen machen durfte. Ehrlich gesagt hat die Krise somit auch etwas Positives: So bleibt einem schlussendlich in der Tat viel Zeit, aufgeschobenes wirklich mal zu erledigen.

Flexibilität – das Stichwort der Stunde
Doch was bedeutet die Schliessung es Gurten – Park im Grünen für meinen Job und für mein Team. Nach dem Schliessungsentscheid war zuerst einmal eine grosse Flexibilität meiner «Teamgspändli» gefragt. So wurden nach dem ersten Bunderatsentscheid – die Restaurantkapazität auf 50 Sitzplätze zu beschränken – bis in den späten Freitagabend alle Gäste kontaktiert, die in den Folgetagen eine Reservation bei uns getätigt hatten. Der Job des Eventteams hat sich in den letzten Wochen ziemlich geändert. So steht im Stellenbeschrieb unserer Eventmanager: «Anlässe planen und verkaufen». Aktuell ist es vermehrt ein «stornieren und umbuchen». Die Teamaufgaben bestehen somit hauptsächlich darin, gemeinsam mit Veranstaltern, Hochzeitspaaren und Seminarteilnehmenden, Verschiebungen und Absagen der Anlässe zu koordinieren. Die Situation ist für alle Beteiligten nicht einfach, nichtsdestotrotz macht unser Eventteam zurzeit einen wirklich grossartigen Job.

Auch innerhalb des Marktingteams haben sich die Aufgaben seit Beginn der Krise geändert. So ging es anfänglich darum, den Marketingplan 2020 an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Welche Massnahmen machen aktuell trotz geschlossenem Betrieb noch Sinn? Was lässt sich verschieben und was lassen wir ganz sein? Relativ schnell konnten wir die Planung anpassen und uns an die Koordinationsaufgaben machen. Weiter ging es darum, die interne Kommunikation sicherzustellen. Wie schaffen wir es, alle Mitarbeitenden regelmässig über alle relevanten Punkte zu informieren? Wir haben das ganz pragmatisch gelöst und nutzen aktuell ein webbasiertes SMS-Tool.

Glücklicherweise kann sich mein Team trotz geschlossenem Betrieb nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Oft bleiben im operativen Tagesgeschäft gewisse Arbeiten liegen. Sprich wir haben viellerlei kreative Ideen, die wir regelmässig sammeln. Wie es aber halt so ist, bleiben viele davon in irgendeiner Schlublade liegen. So nach dem Motto: «das machen wir dann einmal, wenn wir Zeit haben». Und Zeit haben wir dann doch nie. Nun können wir alle diese Ideen auf Papier bringen, mit viel mehr Zeit über neuen Content nachdenken und uns Projekten widmen, die wir bisher auf die lange Bank geschoben haben. Und zudem: Marketing und Sales lässt sich auch in Krisenzeiten betreiben, wenn auch zum Teil in anderer Form und mit anderen Inhalten. Wir haben uns entschieden, gewisse Angebote aktuelle nicht mehr zu bewerben und die Kommunikation in der Krisenzeit anzupassen. So hätten wir für Mai eine breitgefächerte Brunchkampagne umsetzen wollen. Aufgrund der aktuellen Ungewissheit über den weiteren Verlauf des Lockdowns haben wir uns aber entschieden, diese nun in den Spätsommer zu verschieben. Auch gilt es die Form der Kommunikation zu prüfen. Gurten – das Frischluftparadies, rauf aus der Stadt, Aussicht und Weitblick geniessen. Nein eigentlich nicht. Zu Hause bleiben sollt ihr. So ist doch die Anweisung des Bundesrates. Also heisst es eben den Gurten unseren Gästen virtuell nach Hause zu bringen und ihnen zu zeigen, was sie nach dem Lockdown alles auf dem Berner Hausberg erleben können. So nach dem Motto: «das alles bieten wir auf dem Gurten, macht und nutzt es aber erst nach der Krise.»

Aktuell planen wir eine Wiedereröffnungskampagne, arbeiten an Markom-Massnahmen für die Zeit «danach» und fokussieren uns auf Contenterstellung für unsere Social-Media-Kanäle. Ob verorderte Quarantäne oder freiwilliges zuhause bleiben: Aufgrund des Coronavirus hat sich unser Leben in die eigenen vier Wände verlagert. Wenn plötzlich das Fitnessstudio geschlossen bleibt, Treffen mit Freunden wegfallen und Restaurantbesuche nicht mehr möglich sind, bliebt viel Zeit übrig. Diese verbringen viele Menschen online; bevorzugt auf Social-Media-Kanälen. Somit sind Social Media für uns sehr passende Kommunikationskanäle, um mit unserer Community in Kontakt zu bleiben und sie auch in der jetzigen Zeit am Gurtenleben teilhaben zu können. Ob Rezeptideen, persönliche Geschichten unserer Mitarbeitenden oder Facts & Figures – die Palette an Möglichkeiten ist fast unendlich.

Produktiv sein und am Optimismus festhalten
Mit meinem Team tausche ich mich regelmässig via Microsoft Teams aus. Ich bin der Meinung, dass Sitzungen über Videocalls oft viel produktiver und mit weniger Zeitaufwand ablaufen. Somit kann ich mich an diese Form des Austausches durchaus auch nach Beendigung des Lockdowns gewöhnen. «New Work» interessiert mich sowieso und so bin ich auch ein grosser Verfechter von flexiblen Arbeitszeiten. Ich bin der Meinung, dass man dann arbeiten soll, wenn man auch wirklich produktiv sein kann. Und wir Menschen sind nun mal verschieden. Ob Nachteule oder Morgenmensch – Hauptsache produktiv. So dürfen meine Mitarbeitenden ihre Arbeitszeit im Homeoffice frei einteilen. Einzige Weisung: weder Über- noch Minusstunden werden gemacht. Ich glaube die Freiheit wissen sie zu schätzen und ich bin schon jetzt gespannt, wie sich die Arbeit nach der Krise im Büro auf dem Berg wieder einpendeln wird.

Abschliessend kann ich sagen, dass meine positive Lebenseinstellung in der jetzigen Zeit sicherlich nicht verkehrt ist. Auch wenn mir soziale Kontakte fehlen, meine Aprilferien nur auf dem Balkon stattfinden können und mir gewisse Einschränkungen langsam auf die Nerven gehen – mit ein wenig Optimismus lebt es sich einfach besser. Darum stay postitive & steht auch nach einem vermeintlichen Knockout wieder auf und richtet euch die Frisur. Bessere Zeiten werden kommen und wir werden sie geniessen. Und in besseren Zeiten stehen die Chancen auch gut, bei einem Blind Date einem interessanteren Gegenüber zu begegnen als diesem Coronavirus…

11.04.2020, Martin Geiger, Leiter Marketing & Sales aka "Werbemaster"