Ein negatives Highlight

Viel Arbeit, wenig Ertrag
Mein normaler Arbeitstag findet zu grossen Teilen am PC in unserem Büro im Quellfrischareal statt. Hier erledige ich zusammen mit meiner Kollegin alle Arbeiten der Gurtenbahn Bern AG in den Bereichen Finanzen und Personal. Dabei kümmern wir uns um sämtliche Aufgaben im Finanz- und Rechnungswesen. So verbuchen wir beispielsweise alle Belege, bezahlen Rechnungen und erstellen verschiedene Reportings. Zusätzlich erledigen wir die anfallenden Arbeiten im Personalwesen, was unter anderem die ganze Personaladministration inkl. der Lohnverarbeitung beinhaltet. All diese Arbeiten mussten natürlich auch in diesem Jahr, trotz Corona, bewältigt werden. Was sich allerdings im aktuellen Jahr stark verändert hat, sind die Zahlen. Gezwungenermassen mussten auch wir im Frühling unseren Betrieb einstellen, was zu einem Totalausfall der Einnahmen führte. Aktuell können wir die Gurtenbahn glücklicherweise nach wie vor betreiben – wenn auch mit leicht reduziertem Angebot. Dadurch können wir zwar wieder Erträge verzeichnen, diese sind aber nach wie vor tiefer als in einem gewöhnlichen Geschäftsjahr.
Corona hat uns ausserdem viel zusätzliche Arbeit beschert. Im Personalbereich hat sich der Alltag während des Lockdowns und der damit verbundenen Betriebseinstellung von Grund auf geändert. Da die Gurtenbahn während fast drei Monaten keine Gäste transportieren konnte, blieb uns nichts anderes übrig, als Kurzarbeit zu beantragen. Dies ist einerseits ein sehr gutes Instrument für die betroffenen Unternehmen, aber andererseits administrativ auch sehr aufwändig. Wir hatten viel Arbeit damit, mussten an so einiges denken und vieles beachten: Es galt die Mitarbeitenden über die aktuelle Lage zu informieren, das Lohnsystem anzupassen und natürlich fielen noch weitere Administrationsarbeiten an. Leider mussten wir Mitte November, nach rund fünf Monaten Betrieb, erneut Kurzarbeit beantragen.
Mehrarbeit hatten wir auch im Finanzbereich. Durch die fehlenden Einnahmen musste die Liquidität rollend überprüft und die Prognose des laufenden Jahres in verschiedenen Szenarien berechnet werden.

Reduzierte Kapazität und sinkende Toleranzgrenze
Die Mehrheit unserer Gäste hat die neue Situation am Gurten positiv und gut aufgenommen. Die meisten sind glücklich, dass sie trotz allem noch auf den Gurten fahren dürfen und so Natur, gute Aussicht und frische Luft geniessen können. Auch die Maskenpflicht wurde mehrheitlich gut umgesetzt. Deutlich spürbar bei den Gästen ist eine reduzierte Toleranz in Bezug auf Nähe zu ihren Mitmenschen. So werden stark gefüllte Bahnwagen nicht mehr akzeptiert. Hier haben wir sowieso bereits im Vorfeld reagiert. Obwohl das Schutzkonzept eine höhrere Transportkapazität zulassen würde, haben wir diese auf die Hälfte reduziert. Somit bieten wir den Gästen mehr Abstandsmöglichkeiten und somit auch mehr Komfort. Ich persönlich finde schon, dass wir uns als Bevölkerung durch Covid-19 verändert haben. Ich erlebe die Menschen eher distanzierter als früher. 

Erneute Mehrarbeiten
Mit der Schliessung des Restaurants Gurtners Anfang November hat auch die Gurtenbahn ihre Fahrzeiten verkürzt. Der Dienstplan, der im Fahrdienst tätigen Arbeitskollegen, wurde dementsprechend an die Öffnungszeiten angepasst und so mussten wir, wie bereits erwähnt, schliesslich wieder Kurzarbeit beantragen. Anders sieht es bei uns in der Administration aus. Hier fallen erneut mehr administrative Arbeiten an. Es ist allerdings so, dass es jedes Jahr mit dem näherkommenden Jahresende viel zu tun gibt. Selbstverständlich kümmern wir uns aktuell wieder um die Verarbeitung der Kurzarbeit, der Erhaltung der Liquidität und erstellen die finanzielle Planung für die nächsten Monate.

Ein hoffentlich baldiges Ende
In den letzten 20 Jahren ist viel passiert am und rund um den Gurten. Die Unsicherheit, welche durch Covid-19 ausgelöst wurde, ist aber das bisherige Highlight, wenn auch im negativen Sinne. Für viele ist das Jahr 2020 das Jahr der Entschleunigung. Dies trifft bei mir definitiv nicht zu. Die momentane Situation ist sicherlich spannend und lehrreich, aber in jedem Fall ist sie auch sehr belastend. Deshalb bin ich mehr als froh, wenn es bald vorbei ist.

Die wahre Profiteurin der Krise
Ich wünsche mir fest, dass die Menschen am Gurten, in der Schweiz und am liebsten in der ganzen Welt im Jahr 2021 durch eine Impfung wieder einen Grossteil der alten Lebensqualität zurückerlangen können. Zudem hoffe ich, dass sich die Wirtschaft mittelfristig erholt und die Lage etwas stabiler sein wird. Persönlich kann ich diesem Jahr nicht viel positives abgewinnen. Mir fehlen die sozialen Kontakte zu Menschen und Reisen ins Ausland. Meine Golden Retriever Hündin sieht das ganz anders. Sie schätzt es sehr, dass mein Mann infolge des Homeoffices immer zu Hause ist und wir öfters für Wanderungen in der Region zusammen unterwegs sind. Somit liegt die eigentliche Definition der Corona-Krise lediglich in den Augen des jeweiligen Betrachters.

13.01.2021, Rita Beutler, Leiterin Finanzen & Personal, Gurtenbahn Bern AG