Ein komplett ungewöhnliches Jahr

Das Jahr 2020 hat es in sich. Wir befinden uns bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in einer ungewöhnlichen Lage und schon wieder stehen schwere Entscheidungen an. Wer hätte das gedacht, nachdem das Jahr für uns doch so gut gestartet hatte. Nun ja, wie heisst es so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Eine «freiwillige» Schliessung
Als wäre der Lockdown im März nicht schon genug gewesen. Anfang November mussten wir einen Teil unserer Türen bereits zum zweiten Mal schliessen. Die aktuellen Verordnungen und für uns sehr einschneidenden Einschränkungen lassen es nicht zu, den ganzen Betrieb nach wie vor aufrecht zu erhalten. Dieses Mal ist ein Punkt jedoch ganz anders als im Frühling. Denn die Entscheidung, ob wir schliessen oder nicht, lag zu 100% bei uns. Das macht das Ganze aber nicht etwa einfacher. Im Gegenteil. Damals im Frühling stand nicht zur Debatte, ob der Entschluss zur Schliessung richtig oder falsch ist. Es wurde von der Regierung so verordnet und wir taten, was jeder andere Betrieb auch tun musste. Von der zweiten Welle wurde zwar oft gesprochen und Wissenschaftler hatten diese heftiger als die erste angekündigt. Trotzdem haben wohl die meisten Leute gehofft, dass sich das Blatt doch noch zum Guten wenden wird. Nun wissen wir alle, dass sich die Optimisten wiedermal getäuscht haben. Ob die Schliessung einiger Outlets vom Gurten richtig oder falsch ist, werden wir wohl nie ganz sicher wissen. Im Moment zeichnet sich eher ein «ja» ab, da wir erfreulicherweise kaum negative Rückmeldungen von Gästen kriegen und mit diesem Schritt bei den aktuell tiefen Frequenzen doch massiv Kosten einsparen können.

Starker Einbruch der Gästefrequenzen
Nach Bekanntgabe der Restriktionen Ende Oktober haben wir täglich zwischen 10 und 20 Bankett- und Seminarabsagen erhalten. Durch die neuen kantonalen Vorgaben (Events mit max. 15 Teilnehmenden, nur 4er-Tische erlaubt und eine Maximalbelegung von 100 Gästen pro Restaurant) war rasch klar, dass die Umsätze einbrechen werden. Ausserdem mussten wir uns schweren Herzens dazu entscheiden, alle Brunchs bis auf Weiteres abzusagen. Die einzuhaltenden Regeln im Gastrobereich verunmöglichen die qualitative Umsetzung unserer Brunchkonzepte. Schlussendlich auch ein Entscheid zum Schutz von Mitarbeitenden und Gästen.
Wie von uns antizipiert, haben die neuen Restriktionen zu starken Frequenzrückgängen geführt. In Betrachtung der Wirtschaftlichkeit war uns bewusst, dass die beiden Eventlokalitäten Pavillon und UPtown sowie eines der beiden Restaurants geschlossen werden müssen. Die Schliessungsmassnahmen sind schlussendlich auch dazu da, um noch grössere Verluste zu verhindern. Der Entscheid, das Tapis Rouge offen zu lassen, fiel aufgrund der höheren Kapazitäten für Ausflügler bei gutem Wetter. An schönen Tagen gibt es kurze Phasen, in denen doch nahezu 100 Gäste gleichzeitig etwas konsumieren wollen. Dieses hohe Gästeaufkommen in kurzer Zeit ist im Tapis Rouge ohne grössere Personalaufstockung jederzeit bewältigbar und dabei steigen auch die Wartezeiten nicht erheblich an. Zudem kann das Schutzkonzept von GastroSuisse im Tapis Rouge ohne grosse Einschränkungen umgesetzt werden. Im Nachhinein würden wir nochmals denselben Beschluss fassen.

Unser Ass im Ärmel
Wir wären aber nicht der Gurten – Park im Grünen, wenn wir jetzt einfach so Trübsal blasen würden. So denken wir voraus und lassen uns auch von diesem Coronavirus nicht unterkriegen. Das Geschäftsleitungsteam informiert sich laufend über die aktuellen Entwicklungen und wertet alle getroffenen Massnahmen sorgfältig aus. Heute gehen wir davon aus, dass es lange dauern wird, bis wir wieder die gleich hohen Umsätze wie vor Corona erzielen werden. Es wird viel Zeit vergehen, bis die Menschen wieder dazu bereit sind, in grossen Gruppen, eng beieinander zu feiern und zu tagen. Wir müssen uns nun auch immer wieder hinterfragen, ob unser aktuelles Geschäftsmodell auch in Zukunft noch erfolgsversprechend sein wird. So gibt es mittlerweile viel mehr Arbeitnehmende, die von zu Hause aus arbeiten und Meetings werden vermehrt digital durchgeführt. Auch wenn dies unser Seminarangebot eventuelle verändern wird, haben wir natürlich noch ein Ass im Ärmel, welches rein digital nämlich nicht erlebt werden kann: Eine wunderbare Lage, mit einzigartiger Aussicht auf unsere traumhafte Hauptstadt, viel Raum für endlose Spaziergänge, schöne Terrassen zum Verweilen und ein qualitativ sehr hochwertiges Angebot. Wir sind somit zuversichtlich, dass uns auch zukünftig viele Gurtenfans wiederum besuchen werden.

Frei an Silvester
Bis dahin ist es wohl oder übel noch ein weiter Weg. Doch ist es in dieser, hauptsächlich negativ geprägten Zeit, sicher hilfreich, positive Gedanken zu haben und nach vorne zu schauen. Was wir im Moment erleben, ist mit keinem anderen Jahr zu vergleichen. Normalerweise wären wir jetzt mitten im Weihnachtsgeschäft und alle Räume wären ab der zweiten Wochenhälfte ausgebucht. Zudem wäre die Silvesterplanung aktuell ein grosser Bestandteil meiner Arbeit. Selbst wenn die Chance klein ist, haben wir uns dazu entschieden, den Silvester 2020 noch nicht ganz aufzugeben und bis am 1. Dezember mit dem Entscheid der Durchführung oder Absage abzuwarten. Seitdem ich 16 Jahre alt bin, arbeite ich über die Feiertage. Ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem Silvester nicht gearbeitet zu haben. Dass dies nun im Jahr 2020 das erste Mal der Fall sein könnte, empfinde ich nach über 40 Silvesterfeiern nicht nur als negativ. Alles hat zwei Seiten. Es reicht auch, die Gute finden zu wollen.

Fragen über Fragen
So verbringe ich momentan den Tag damit, zu überlegen und zu organisieren, wie wir den wirtschaftlichen Schaden auf dem Gurten so gering wie möglich halten können. Ausserdem geht es darum, unsere Kollegen im Supermarkt, welche zurzeit Hochbetrieb haben, bestmöglich zu unterstützen. Ich bin mit meinen Gedanken stark hin- und hergerissen. Wie schaffen wir es, nach der Wiedereröffnung besser und stärker als heute dazustehen? Wie können wir den Kontakt zu unseren grossartigen Mitarbeitenden halten, obschon diese aktuell in 50 Migros-Filialen tätig sind? Wie vertragen es unsere «Gürteler», dass sie nun schon zum zweiten Mal eine längere Zeit nicht auf dem Gurten arbeiten können? Machen wir genug für sie?
Jeder Tag ist komplett anders und die tägliche Runde durch die Bankettsäle und die Restaurants mit den unzähligen Kontakten mit dem Team und zu den Gästen fehlen mir sehr. Ein Hüttenwart – fast ohne Gäste und ohne seinen Mitarbeitenden – das fühlt sich schon eigenartig an. Manchmal ertappe ich mich beim Gedanken, ob all die Restriktionen mit den riesigen Einschränkungen für uns Menschen und den wirtschaftlichen Schäden eigentlich berechtigt sind, oder ob es auch andere Wege mit weniger Restriktionen gegeben hätte. Daraus erwache ich dann ganz schnell wieder und bin froh, dass ich solch schwere Entscheidungen nicht treffen muss. Ich bin dankbar für meine doch verhältnismässig klaren Aufgaben. Und noch etwas anderes finde ich toll. Fast jeden Abend bin ich früh zu Hause. Nicht weil ich mich weggeschlichen habe, sondern weil der Gurten ab 17.00 Uhr geschlossen ist. Und zum Schluss des Tages freue ich mich, dass wir alle gesund sind und hoffe, dass es so bleiben möge. Bleiben Sie es auch und hoffentlich bis bald auf dem Traumberg!

25.11.2020, Hans Traffelet, Geschäftsführer aka Hüttenwart