Mister Gurten

Interview mit Mister Gurten, Hans Traffelet

Auch 20 Jahre nach der Eröffnung des Park im Grünen gilt: Der Gurten ist Treffpunkt für alle, die dem Trubel des Alltags entfliehen wollen, frische Luft und Ruhe suchen. Aber der Gurten ist mehr als das. Der Berner Hausberg bietet auch Platz für kulturelle Veranstaltungen, Businessevents und sportliche Herausforderungen. Einer, der diesen Berg bestens kennt, ist Hans Traffelet – seit 20 Jahren mit Leib und Seele auf dem Gurten tätig.

Wir sitzen zusammen mit Hans Traffelet, dem Geschäftsführer des Gurten – Park im Grünen, im Restaurant Gurtners. Er wird nicht zu Unrecht «Mister Gurten» genannt. Denn im 2019 feiert nicht nur der Gurten – Park im Grünen sein 20-jähriges Bestehen, sondern auch Hans Traffelet sein zwanzigstes Dienstjahr auf dem Berner Hausberg.

Hans Traffelet, Sie feiern Ihr 20-jähriges Dienstjubiläum auf dem Gurten. Welches prägende Erlebnis der vergangenen Jahre ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Einen Monat nach der Eröffnung und drei Tage vor dem Millennium-Silvester hat der Sturm Lothar die Gurtenbahn und den Gurten für drei Tage stillgelegt – zum Glück ohne grosse Schäden an der Infrastruktur, so dass am 31.12.1999 die Verbrennung der Luginbühl-Skulptur ohne Probleme stattfinden konnte.

Sie gehören ja fast schon zum Inventar und werden deshalb oft als Mister Gurten betitelt. Was bedeutet es für Sie, seit 20 Jahren der «Hüttenwart» des Gurtens zu sein?

Als Hüttenwart fühle ich mich deutlich wohler. Es ist schon ein schönes Gefühl, mitwirken zu dürfen, dass ein so bedeutender Ort wie der Gurten – Park im Grünen am Puls der Zeit bleibt und immer wieder Angebote entstehen, die bei unseren Gästen gut ankommen.

Die Migros Aare hat für die Wiedereröffnung rund 33 Millionen ins Projekt Gurten – Park im Grünen gesteckt. Man unkelt, dass der Start sehr harzig war. Wie hat sich der Gurten in den letzten 20 Jahren wirtschaftlich entwickelt?

In den ersten Jahren waren wir vor allem als Ausflugsbetrieb bekannt. Und ein Ausflugsbetrieb hat bei schönem Wetter ein Qualitätsproblem und bei schlechtem Wetter die Kosten nicht im Griff. So war es auch bei uns – mit entsprechend riesigem Defizit. Bereits in den ersten Jahren haben die stetig zunehmenden Firmen- und Privatanlässe für einen willkommenen Ausgleich gesorgt. Ohne sehr grosszügige Unterstützung der Genossenschaft Migros Aare hätten wir diese schwierige Zeit nicht überlebt. Heute ist unser Geschäft sehr viel ausgewogener und in einem guten Jahr schaffen wir die schwarze Null trotz riesiger Unterhaltskosten für die 10 Hektaren Aussenfläche ohne weitere Zuwendungen der Migros Aare.

Die Migros Aare hat auch nach der Eröffnung laufend in die Infrastruktur investiert und so wurde in der Vergangenheit oft gebaut. Neubau des Pavillons, Umbau des à la carte Restaurants, neue Spielmöglichkeiten für die Kinder – was kommt als Nächstes?

Der wichtigste Neubau war bestimmt der Pavillon. Die anderen Umbauten sind Teil des umfassenden Revitalisierungsprojektes, welches zum Ziel hat, stets dafür zu sorgen, dass die Infrastruktur und die Konzepte auf dem Gurten «à jour» sind und es beim Haupteingang nie mehr wie im 1997 heisst: «Nicht betreten: Einsturzgefahr». In der Zukunft werden wir diesen Weg sorgfältig weitergehen. Ein paar Hotelzimmer mehr wären toll, aber der Weg dorthin wird steinig. Am besten schauen Sie mehrmals jährlich auf dem Gurten vorbei und überzeugen sich selber, was es hier Neues gibt.

Der Gurten gehört zu Bern wie der Bäregrabe oder das Münster. Dementsprechend ist auch der Gästemix sehr breit. Der Park im Grünen wirbt mit dem Slogan «Gurten für alle». Wie setzen Sie dieses Motto im täglichen Geschäft um?

Dieses Motto gilt für alles, was wir tun. Wir verfügen nicht über einen Betriebsteil, der alles kann, sondern versuchen bei der Gestaltung der Angebote, Planung der Infrastruktur und in der täglichen Arbeit im Haus diesen Gedanken zu leben. Und damit das gelingt, darf ich auf ein wunderbares Team zählen, das sich in guten wie in schwierigen Zeiten wie in einem guten Familienbetrieb unterstützt. Häufig gelingt es perfekt, manchmal weniger…und wir arbeiten weiter daran.

Der Gurten – Park im Grünen wird als Stiftung betrieben. Diese bezweckt bis heute die Erhaltung und Erweiterung des allgemein zugänglichen Naherholungsgebietes und die Förderung kultureller Anlässe auf dem Gurten. Was bedeutet das genau?

Das ist die zentrale Frage, die wir uns jährlich bei unserer Strategieüberprüfung in der Geschäftsleitung und im Stiftungsrat auch stellen. Es gilt, einen guten Mix zu finden zwischen unseren Gastronomie- und Kulturangeboten und der Möglichkeit für Gurtenbesuchende, möglichst selbstbestimmt und ohne Kaufzwang zu tun und lassen was sie möchten. Wir beachten dabei auch das Element der Übernutzung sehr sorgfältig. Die Antwort auf diese Frage versuchen wir mit jeder Innovation auf dem Gurten neu zu geben. Beurteilen Sie selbst, ob diese für Sie stimmt.

Zum Schluss möchten wir noch einen Ausblick wagen. Was erwarten Sie für die kommenden 20 Jahre?

Dass die einmalige Lage der 10 Hektaren auf dem Gurten weiterhin an Stellenwert gewinnt und unsere Gäste sich zunehmend dafür interessieren, was hinter dem ganzen Produkt Gurten steht. Ein Lächeln und ein gutes Gericht reicht in Zukunft noch weniger als heute, um jährlich 1’000'000 Gäste mit der Gurtenbahn zu bewegen. Und ich hoffe, dass der autofreie Gurten auch in Zukunft Berners und Könizers Lieblingsberg bleibt.