Seminarräume

Bild: Schang Hutter, Veitstanz, French cancan, Lithografie, 1983

Unsere Seminarräume
Als Gast in unseren Seminarräumen können Sie in die Welt verschiedener Künstler eintauchen, die Berns Kunstszene geprägt haben.

Ueli Berger
(geb. 1937 in Bern, gest. 2008) Berger gehört zu den festen Werten in der Schweizer Kunst. In Bern hat er sich unter anderem mit dem „Grossen Chribel“ (1985/1986) vor der Schweizerischen Mobiliar einen Namen gemacht oder mit den eingegossenen Milchkannen „Hommage an das Milchgässli“ (1982), die bis 2007 am Bahnhofsplatz standen. Neben Skulpturen, Installationen, Objekten und Video umfasst sein Schaffen auch Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie und Möbeldesign. Seine zentralen Themen sind Fragen zum Verhältnis von Mensch und Natur und unserer Wahrnehmung. Die Wechselwirkung von Raum, Linie und Fläche bestimmen das gesamte Werk Ueli Bergers. Im Seminarraum Vanella finden Sie drei Lithografien von Berger, die sich spielerisch mit diesen Themen auseinandersetzen.

Silvia Gertsch
(geb. 1963 in Bern) Beim Namen Silvia Gertsch denkt man zuerst an die grossformatigen Portraits, die Franz Gertsch von seiner Tochter Silvia machte. Doch Silvia Gertsch ist seit langem selbst eine erfolgreiche Künstlerin. In den 1990er Jahren konzentrierte sie sich auf geometrische Körper, vor allem auf Kugeln. Gleichzeitig beschränkte sie die Palette der verwendeten Farben auf duale Tonalitäten. Das Werk „O.T.“ (Kugel), das Sie im Seminarraum Sitta sehen, zeigt die Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Licht und dessen Wirkung auf die Erscheinungswelt. Die Umsetzung in Hinterglasmalerei, einer Technik, die traditionell in der profanen und religiösen Volkskunst gepflegt wurde, lässt die Kugel in traumartiger und geheimnisvoller Atmosphäre erscheinen.

Alfred Hofkunst
(geb. 1942 in Wien, gest. 2004) Realistische Zeichnungen, übergenaue Darstellung von Details, das Auge täuschende Ansichten, dies war Hofkunsts Ausdrucksweise. Mit feinen Zeichenstrichen und realistischen Zeichnungen wurde er international bekannt. Die Werke „Zaun“, „Ringbuch“ und „Welke Laubblätter“ zeigen eine Abbildung der Realität. Hofkunst war ein Übersetzer. Die Wirklichkeit übertrug er massstabgebtreu in das Bild. Trotzdem werden die Dinge bei Hofkunst so gezeigt, wie sie mit unseren Augen gar nie gesehen werden, so, dass eine Idee hinter dem Objekt entstehen kann. http://www.alfred-hofkunst.ch

Schang Hutter
(geb. 1934 in Solothurn) Hutter verarbeitete das Motiv „Veitstanz“ in mehreren Skulpturen, die er in Drucken und Zeichnungen vorbereitet. Der Titel „Veitstanz“ bezieht sich auf eine Fotografie aus dem Jahr 1956: Sie zeigt ungarische Volkspolizisten, die von Aufständischen erschossen werden und zusammenbrechen. Hutter thematisiert äusserlich sichtbare innere Zustände als Reaktion auf gesellschaftliche oder politische Ereignisse. „Ich habe darum meinen Menschenzeichen, meinen Figurenzeichen, lange, dünne Arme gegeben, die sich wie Fühler den offenen Raum ertasten. Mit meinen Figurenzeichen in Gruppen zueinander dargestellt, bewegen sich diese Fühlarme jeweils durch die Aura des andern Menschen, des andern Figurenzeichens, ohne zu verletzen, ohne zu beeinträchtigen.“ www.schang-hutter.ch

Rolf Iseli
(geb. 1934 in Bern, lebt und arbeitet in Bern und Saint Romain, Frankreich) Der international bekannte Berner Künstler legte 1971 in St. Romain einen Weinberg an und begann Erde und andere natürliche Materialien in seine Werke zu integrieren. Die Materialien und Gegenstände seiner nächsten Umgebung – Erde, Federn, Binsen, Stroh, Bienenwaben, Nägel und rostige Eisenstücke – vereinigen sich mit Wasserfarbe, Pastellkreide, Kohle und Bleistift auf dem Papier zu Materialbildern. Im Seminarraum Sitta können Sie das Materialbild „Homme de terre“ bestaunen. In Iselis Werk taucht in ungezählten Variationen immer wieder seine eigene Silhouette als der bildgewordene Schatten des Künstlers auf, wie bei der Werkgruppe „Homme champignon“ im Seminarraum Cuculus.

Rudolf Mumprecht
(geb. 1918 in Bern) Mumprecht wurde in Basel geboren und wuchs in Bern auf. Seit 1943 arbeitete er in Bern mit einer eigenen Kupferdruckpresse, wobei er sich alle Kenntnisse zu zahlreichen Drucktechniken autodidaktisch erwarb. Bis 1948 entstanden zahlreiche Radierungen, die er in regionalen und internationalen Ausstellungen zeigte. Das Frühwerk des Autodidakten Mumprecht umfasst Gemälde, Radierungen und Aquatinta-Blätter mit figurativen Motiven, darunter Tierdarstellungen, Stillleben und Porträts. Die Serie von Vogelbildern, die im Seminarraum Fringilla ausgestellt ist, entstand anfangs der 1950er Jahre, kurz bevor er sich dann Mitte der 1950er der Abstraktion zuwandte. http://www.mumprecht-atelier.ch

Otto Tschumi
(geb.1904 Bern, gest. 1985) Otto Tschumi ist der bekannteste Schweizer Künstler des Surrealismus. Zu seinen bevorzugten Themen gehörten neben Tieren wie Pferd und Katze auch Schiffe, die ihn besonders in den 1940er-Jahren beschäftigten. Seine Schiffe sind oft Wracks. Die Lektüre von Herman Melvilles Moby Dick (1851), das von einer schicksalhaften Fahrt eines Walfangschiffes berichtet, dessen Kapitän Ahab mit blindem Hass den weissen Pottwal Moby Dick jagt, ist sicherlich eine Quelle seiner Inspiration. Im Jahr 1942 erschien eine Ausgabe von Herman Melvilles Moby Dick mit Illustrationen von Otto Tschumi. Im Seminarraum Papilio sehen Sie vier seiner Holzschnitte, die allesamt von der spielerischen Leichtigkeit und dem Ideenreichtum Tschumis zeugen.