Gänge

Bild: Herbert Distel, Lyman King, Fotografie, 1989

Die Gänge des Haupthauses Kulm zeigen vom Parterre bis zum dritten Obergeschoss begeisternde Kunst.

Herbert Distel
(geb. 1942 in Bern, lebt und arbeitet in Niederösterreich) Distel gehörte in den 1960er und 1970er Jahren zu den führenden Vertretern der Berner Kunstszene. Anfang der 1980er Jahre begann Distel mit dem Medium der Fotografie zu arbeiten. Das Werk „Lyman King“ im Gang des dritten Stockes stammt aus dem Fotozyklus Spoon River Anthology 1986-1989. Den Titel entlieh Distel dem 1915 erschienenen Gedichtband von Edgar Lee Master. Dieser erfindet in 244 Gedichten das Leben und Denken von 200 Personen einer fiktiven amerikanischen Kleinstadt, die er Spoon River nennt. Inspiriert von diesem Gedichtband gab Distel seinen Fotoporträts die Namen einzelner Figuren dieser Anthologie und schuf eine Serie von Fotografien von Steinbüsten auf dem Friedhof Staglieno in Genua. Die steinernen Portraits stellen historische Figuren dar. Die Maske und die Lichtführung lassen die Skulpturen lebendig erscheinen und spielen mit der Wahrnehmung.

H.R. Giger
(geb. 1940 in Chur, gest. 2014) Giger kennt man vor allem von seinen ausserirdischen, fantastischen Landschaften und den Figuren, die er als Szenen- und Kostümbildner, für die Filme „Alien“ von Ridley Scott und „Species“ von Roger Donaldson erschaffen hat. Für seine Arbeit im Film „Alien“ erhielt er 1980 einen Oscar. In einem ganz anderen Stil als die Aliens begegnen uns die Siebdrucke „Passage“ mit handschriftlichen Bezeichnungen im dritten Stock. Das Sujet der Passage entwickelte Giger ab 1971, als er zum ersten Mal die deutsche Müllabfuhr in Aktion sah. Er war so fasziniert von diesem Akt, den er als mechanisch-erotisch bezeichnete, dass er ein paar Fotos schoss. Die vier Siebdrucke zeigen einen Ausschnitt eines deutschen Müllwagens. Das Sujet der „Passage“ hatte es dem Künstler angetan: Neben den Siebdrucken gibt es Werke in anderen Techniken mit demselben Motiv. Zeitgleich drehte H.R. Giger den Film „Passage“ mit dem Berner Filmemacher Fredi M. Murer. Es ist ein Dokumentarfilm über Leben und Werk von H.R. Giger. www.hrgiger.com

Bernhard Luginbühl
(geb. 1929 in Bern, gest. 2011) Neben den zahlreichen Eisenplastiken des Berner Künstlers im Gurtenpark zieren jetzt auch eindrückliche, grossformatige Grafiken die Wände des Hauses. Luginbühl war nicht nur ein genialer Plastiker, sondern auch ein ebenso genialer Zeichner. Von vielen seiner Skulpturen gibt es auch zeichnerische oder druckgrafische Fassungen, als Entwurf, als Weiterführung oder als Vorstufe, Begleitprodukt oder als Kommentar zum Eisenwerk. Grafik war für den Künstler auch eine Möglichkeit, seine Skulpturen zu verewigen, denn viele haben nur als Grafik überlebt: Luginbühl war nicht nur ein Schöpfer, sondern auch ein Zerstörer von Figuren. Ab 1976 liess er riesige Skulpturen in Feuer und Rauch aufgehen. www.luginbuehlstiftung.ch